Um neue Wege im Journalismus, Social Media und Web-TV ging es beim Themenabend "Junge Gestalter" im Kolping-Bildungszentrum.
"Nur" Zeitung machen – das war einmal. Per Smartphone sind Nachrichten ständig und überall auf der Welt abrufbar. Die elektronischen Medien schaffen eine neue Informations-Kultur. Wie sie den Alltag in einem modernen Medienunternehmen umkrempeln, zeigten Nicole Amolsch und Manuel Maier in der Veranstaltungsreihe "Junge Gestalter".

SfG-Schulleiter Horst Strümann (l.)
mit Nicole Amolsch und Manuel Maier. Foto: kbw
Offen für Neues
An künftige Absolventen der Berufskollegs Grafik-Design und Foto- und Medientechnik, aber auch an interessierte Laien richten sich die Themenabende und informieren über Berufsbilder in der Medien- und Kreativwirtschaft. Trotzdem gibt es keine einfachen Tipps bei Fragen wie der einer Mutter, deren Sohn sich für Medien interessiert: "Welche neuen Berufsfelder gibt es denn?" Die Antworten der Referenten spiegelten die Dynamik, die ihre tägliche Arbeit vorantreibt und ständig verändert: "Es werden immer weniger Spezialisten gebraucht", findet Amolsch, die neuen Medienkanäle stellen Mitarbeiter in einem Medienunternehmen wie der Heilbronner Stimme vor immer neue Aufgaben, denen man sich stellen müsse.
Quereinsteiger
Auf Kompetenzen wie fotografieren, technisches Grundwissen oder journalistische Fähigkeiten verwies Maier, selbst Quereinsteiger und Ex-Banker. Videoproduzent bei der Heilbronner Stimme wurde er nach dem Studium der Medienwirtschaft mit dem Auftrag, Videos für den Internetauftritt herzustellen. Das war 2007. "Das ging gleich voll ab", sagt Maier. Für ihn ist klar: "Für die Nachrichtenvermittlung gibt es kein besseres Medium als das bewegte Bild". Mit den immer schnelleren Übertragungsraten auf neuen Verbreitungswegen werden immer mehr Videos abgerufen - entsprechend steigt das Produktionsvolumen. 50 bis 80 Beiträge dreht, schneidet und verbreitet Maiers Team, manchmal im Halb-Stunden-Takt, jeden Monat. Mit rund 1,5 Millionen Megabyte beziffert er die Datenmenge, die sie ins Netz schicken. Ein wichtiges Handwerkszeug der Video-Crew ist das Smartphone, von dem, etwa bei so genannten Blaulicht-Einsätzen, die ersten "Schnellschuss-Videos" von draußen direkt an die Redaktion geliefert werden.

Neue Netze nutzen
Rasant ist auch die Entwicklung des Facebook-Auftritts, den Nicole Amolsch seit fast einem Jahr begleitet: 2600 "Freunde" zählt die Präsenz, sechs Millionen Mal erschienen Stimme-Meldungen auf Facebook-Pinwänden. Den Kurznachrichten-Kanal Twitter bediene die Stimme mit automatisierten Inhalten, das neue mobile Netzwerk Google Plus beobachte man bisher, wolle aber auch dort aktiv werden.
Hinter allen Aktivitäten im Internet stehe Personal, antwortete Amolsch auch auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit dieses Engagements und stellte klar: "Das ist in erster Linie ein Marketing-Instrument, damit zahlt man kein Redakteursgehalt". Und auch die Kosten für die Videoproduktion seien längst nicht mit Werbeeinkommen zu decken. Deshalb sei man zum Beispiel auf Auftragsproduktionen angewiesen.
Verschiebung
Die meisten Verlage reagieren auf den Rückgang des Abonnenten- und Anzeigenaufkommens mit dem Einstieg in Soziale Medien. Das erhöhe die Anzahl jugendlicher Interessenten, erschließe neue Recherchequellen und schaffe direkten Kontakt zum Nutzer. Amolschs persönliche Einschätzung zur Zukunft der elektronischen Nachrichtenkanäle: Die gedruckte Zeitung wird zwar weniger nachgefragt werden, aber nicht verschwinden. Journalistisch aufbereitete, seriös recherchierte Inhalte werden in Zukunft nicht mehr kostenlos zu haben sein. "Menschen geben Millionen für Klingeltöne aus", nannte sie einen Vergleich. Es sei Aufgabe der Medienmacher, die Schieflage in der Mediennutzung wieder umzudrehen. text: kbw
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