Christian Höhn und Thomas Wellmann erklärten als Junge Gestalter, wie sie Filmen oder Computerspielen Leben einhauchen
Mit Soundeffekten
Wenn Thomas Wellmann in seiner Präsentation eine neue Folie zeigt, erklingen Toneffekte, umgeschaltet wird auf einem Controller, wie man ihn von Spielkonsolen kennt. Nur dass der 27-Jährige nicht an seiner XBox sitzt, sondern in der Aula des Kolping-Bildungszentrums einen Vortrag über sein Studium hält. Mit sichtlichem Vergnügen. Spieleentwickler ist er im nächsten Jahr, Gamedesigner. Einer der sich weigert, erwachsen zu werden und trotzdem sehr erwachsen den Schülern unter seinen Zuhörern ans Herz legt, an der Schule für Gestaltung nur ja die Fachhochschulreife mitzunehmen. Dann stehe ihnen unter anderem der weltweit wachsende Markt der Computerspiele als Beschäftigungsfeld offen.

Portfolio zählt
In der Themenreihe „Junge Gestalter“ werfen Wellmann und sein Co-Referent Christian Höhn – beide Absolventen der SfG im Fach Grafik Design - so ungefähr alle Vorurteile über menschenscheue, rotäugige, redefaule Computerfreaks über den Haufen. Die Zuhörer wissen nach knapp zwei Stunden: Wer computeranimierte Filme macht oder Videospiele entwickelt, muss teamfähig und fleißig sein, kommunizieren und sich spezialisieren: „Allrounder werden nicht gern gesehen“, weiß etwa Wellmann, der 2012 die Mediadesign-Hochschule (MD.H) in München abschließen wird. Und er sagt: „Dein Portfolio geht über die Zensuren“ – die Arbeiten, die jemand am Ende des Studiums vorzeigen kann, zählen.
Geschichtenerzähler
Christian Höhn, 25, erklärt kurzweilig, warum er an der Hochschule der Medien (HDM) in Stuttgart den Studienschwerpunkt Film- und Computeranimation gewählt hat. Geprägt von Toy Story, Jurassic Park und Star Wars, sind Heldengeschichten in so genannten Steam Punk Universen sein Steckenpferd: Szenarien, in denen noch Zahnräder und Dampf statt elektrischer Energie die Welt bewegen. Am Beispiel seiner Produktionen Aletheia oder Cookielicious lernen Höhns Zuhörer, dass Macher von AV-Medien nicht einfach Computergrafiker sind, sondern Erfinder neuer Welten, Geschichtenerzähler, Regisseure und Techniker, die ihren Fantasiefiguren Leben einhauchen. Wie Wellmann empfindet Höhn seine Grafik-Design-Ausbildung als ideale Voraussetzung für seine Arbeit: Beim Erfinden von Charakteren oder Storyboards sind Papier und Bleistift ideale Werkzeuge, um sich einen Überblick über Abläufe oder das Arbeitsvolumen zu verschaffen.

Motion Capture
Computertechnik bringt Bewegung in die Geschichte oder ins Spiel. Der Vergleich von Fehlversuchen und Endergebnis von einzelnen Arbeitsschritten verdeutlicht, wie etwa Motion Capture funktioniert – die Technik, die lebensechte Bewegungen und sogar Mimik von Figuren zaubert, indem Kameraaufzeichnungen menschlicher Bewegungen als Animationsvorlage dienen. Warum in einem Drei-Minuten-Film fünf Monate Arbeit stecken können, wurde dem Publikum beim Verfolgen ungezählter Arbeitsschritte klar. Dass allein das Berechnen einzelner Bilder im Film stunden- bis tagelang dauern kann, beruhigte Foto-Medientechnik-Schülerin Dila Torcuk, die bei der Bildbearbeitung künftig geduldiger sein will.
Gute Performanz
Auch die Unterschiede von Film – und Gamedesign wurden dem Publikum deutlich: Anders als bei perfekt ausgestalteten Filmanimationen komme es bei Spielen darauf an, dass sie auf Computern und Konsolen flüssig laufen: „Ein Kinofilm hat etwa 24 Einzelbilder pro Sekunde, bei Spielen sind es oft rund 60“, vergleicht Wellmann. FMT-Absolvent Nicolai Sanders hat bei den Jungen Gestaltern einiges Neues erfahren und sagt: „Wenn ich wieder Computer spiele, werde ich eher zu schätzen wissen, was da an Arbeit drinsteckt.“ kbw
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