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Wer guckt denn heute nur noch Fernsehen?

Blick hinter die Kulissen des transmedialen Projekts Alpha 0.7 ist Auftakt der Reihe "Junge Gestalter"

"Kreativ über den Tellerrand schauen" – so nennt es Dittmar Schuster vom Förderverein der Schule für Gestaltung (SfG), was die Veranstaltungsreihe Junge Gestalter dem Kreativnachwuchs in der Region bieten will. Zehn Jahre gibt es die Schule für Gestaltung des Kolping-Bildungszentrums und ihr Leiter Horst Strümann möchte im Jubiläumsjahr die interessierte Öffentlichkeit und am liebsten auch alle "seine" 124 Schülerinnen und Schüler mit Berufsanfängern in Kontakt und ins Gespräch bringen. Den Auftakt machte jetzt der Baden-Badener Produzent Sebastian Hünerfeld, der das transmediale Projekt "Alpha 0.7- Der Feind in dir" vorstellte.

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Sebastian Hünerfeld (Mitte) mit SfG-Schulleiter Horst Strümann (li.)
und Dittmar Schuster vom Förderverein der Schule für Gestaltung


Warum Hünerfeld und seine Kollegen bei der SWR-Produktion von einem "Erzählkosmos" sprechen, verstanden seine Zuhörer schon nach ein paar Minuten: Bild- und Tonbeispiele, Blicke auf verschiedene Internetseiten, Blogs und Foren, die eigens für die fiktionale Geschichte entwickelt wurden, zeigten eindrucksvoll, wie Erzählen auf allen verfügbaren Kanälen aussehen kann. Die Story selbst ist schnell skizziert: Im Jahr 2017 entdecken junge Menschen in Stuttgart, dass sie per Brainscanner überwacht werden und beginnen, sich dagegen zu wehren. Krimi-, Science-Fiction- und dramatische Elemente verwoben die Macher zunächst zu einer TV-Serie, dann zu einem Radio-Hörspiel und zu vielschichtigen Internet-Publikationen. Dabei verschwammen die Konturen von Wirklichkeit und Fiktion: Erzählerin Meike ist eine Figur in der Geschichte, aber auch mit einem Internet-Tagebuch präsent, das mit einer eigens für Alpha 0.7 entworfenen Schrift und Grafik illustriert ist. Die Band crash:conspiracy, die es im romanhaften Geschehen erst 2017 gibt, spielte schon 2010 eigene Songs ein und begleitete Alpha 0.7 musikalisch. Die sogenannte Gateway-Homepage half in den halben Jahr, in dem Alpha 0.7 auf allem Kanälen präsent war, die Struktur des Projekts zu durchschauen, lieferte neben der erfundenen Geschichte aber gleichzeitig Informationen, etwa aus der neuro-wissenschaftlichen Forschung, die helfen sollte, die Inhalte an der Wahrheit zu messen. "Wie weit Technik und Hirnforschung schon sind, ist einem gar nicht so bewusst", fand Foto- und Medientechnikschüler Roman Gerz, den der Vortrag zum Nachdenken brachte. Und Fördervereins-Vize Schuster erkannte ein gutes Stück Realität: "Virtuelles Vordenken ist in der Wirtschaft schon langst das A und O", fühlte er sich in seiner Berufserfahrung bestätigt.
Nicht nur die Frage "Kannst du deinem Gehirn noch trauen?", sondern auch aktuelle Diskussionen um Datenschutz, Netz-Piraterie oder ethische Fragen zum Mediengebrauch schnitt Sebastian Hünerfeld an. Er antwortete unter anderem auf Fragen nach der Vermarktung eines solchen Projekts. Ohne eine große Fernsehanstalt im Rücken wäre das in dieser Breite nicht möglich gewesen, stellte er klar. Marketingtechnisch sei man deutlich unter den Möglichkeiten geblieben: "Wir haben unter Debütbedingungen produziert", sagte der Profi. Wie schwer es ist, im Web Aktualität zu wahren und permanent Inhalte zu produzieren, schilderte er eindrucksvoll. Den Spiel-Charakter des Projekts offen zu legen, sei selbstverständlich gewesen: "Die Leute lassen sich nicht hinters Licht führen", ist Hünerfeld überzeugt. Spannend findet er die Frage, wie man in einem nonlinearen Medium wie dem Internet dem Publikum einen Einstieg in eine Geschichte ermöglicht und Interesse und Spannung halten kann.
Online wird Alpha 0.7 weiter diskutiert unter www.alpha07.de.

Info: Der nächste Termin in der Reihe "Junge Gestalter": Freitag, 10. Juni, 19 Uhr, in der Aula des Kolping-Bildungszentrums, Bahnhofstraße 8. Fotograf Denis Falkenstein und Diplom-Grafiker Benjamin Keck berichten aus ihrer Heilbronner Bürogemeinschaft. Eintritt frei.

 

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